Reviews
- www.djembe.at (Austrian djembe-website)
Die CD "Bush Taxi" verbindet Kpanlogo und Djembe Tradition. Die Rhythmen sind anspruchsvoll und keine Musik zum nebenbei hören. DIe beiden Musiker kommunizieren durch ihre unterschiedlichen Instrumente miteinander, sind im Gleichklang oder lassen sich gegenseitig Raum für Solo Improvisationen. Ein, in der Form, einmaliges Album, das hier vom deutschen Verlag "Bibiafrika" produziert wurde!
Martin Haderer
- Notes 1/02
A meeting of different drum voices
Im September d.J. stellte das "WOM-Journal" fest: Deutschland liegt im Trommelfieber.
Ob es wirklich an dem ist, mag ich nicht beurteilen. Was mich angeht, so kann ich das allerdings bestätigen. Nicht nur, weil ich sowieso von Natur aus ein perkussiver Mensch bin, sondern momentan liegt das sehr an einer CD, die seit Tagen meinen Player fast gar nicht mehr verläßt: Bush Taxi From Bamako To Accra heißt das Ding, und eingespielt, besser eingetrommelt haben es zwei absolute Meistertrommler aus Westafrika: Ashitey Nsotse und Kassoum Traoré.
Ashitey, der 1955 in der Nähe von Accra in Ghana zur Welt kam, wurde schon als Zehnjähriger von seinem Vater - einem praktizierenden Voodoo-Priester - in den traditionell-spirituellen Rythmen ausgebildet. Er studierte später afrikanischen Tanz und die afrikanischen Trommeln am Arts Council in Accra. 1983 kam er nach Deutschland und wurde mit seiner Gruppe Nokokyé in den relevanten europäischen Kreisen schnell bekannt.
Von Nokokyé wurden drei CDs veröffentlicht, die durch die exquisite Mischung von traditionellem Instrumentarium und populären Reggae-Grooves sehr angenehm auffielen. Der 1978 in Abidjan geborene Kassoum stammt aus einer der großen Musikerfamilien in Mali. Im zarten Alter von fünf Jahren ging er bereits bei seinm Onkel - einem angesehenen Meistertrommler - in die Lehre, und als Jugendlicher begleitete er schon etliche Stars der afrikanischen Musikszene auf ihren Tourneen. Unter anderem spielte er mit Yelemba und der bekannten und beliebten Sängerin Mahawa Traoré, auf derem 1998er Album er auch mitwirkt.
Seit jenem Jahr trommmelte er in Europa bei ungezählten Konzerten der Weltmusikformation Sona Diabaté & Argile und arbeitete bei CDs von u.a. Argile, Aicha Kouyaté, Haja Madagascar und Famoudou Konaté mit.
Und nun liegt mit Bush Taxi From Bamako To Accra für uns "Trommelfans" die weltweit erste CD vor, die ausschließlich und gänzlich dem Zusammenklang der Kpanlogo-Drums (Ghana) und der Djambé aus der großen Malinke-Tradition gewidmet ist. Da gibt es eine - nicht nur für uns - völlig neue Klanglandschaft zu entdecken, voller purer, moderner, pan-afrikanischer Trommelmusik, eingespielt von zwei Meistern ihres Fachs aus Mali und Ghana. Dabei geht es gerade eben nicht um einen weitern "Aufguß" traditioneller Rhythmen, sondern um gemeinsam neukomponierte Trommelmusik, die sich in den Traditionen lebendig weiter entwickelt.
Der nigerianische Musikethnologe ProfessorMeki Nzewi schreibt über diese Aufnahme: "A meeting of different drum voices speaking a common (african) musical language. Learners, teachers, lovers as well as dancers have in this CD a treasure of expert drum creativity that should be listened again and again." - Und das werden wir sicherlich tun!
Wk
- World Music Magazine No. 52 - Italy 1/02
Tutto percussioni, calde, swinganti, piacevolissime. La leggenda narrata dal booklet del CD parla di un bus che collega le capital Bamako (Mali) ed Accra (Ghana). Ad un certo punto del tragitto si trovano vicini due percussionisti, con i loro strumenti. A parte i rispettivi idiomi locali, il maliano parla francese, il ghanese inglese e tedesco. E allora la comunicazione passa sul piano universale, con i suoni dei loro strumenti, ed è l'incontro fra due diverse voci percussive che si trovano in un linguaggio comune, in un medesimo "significato" della musica.
Il paesaggio sonoro del CD è limpido ed intenso, scevro da concessioni alla banalità cartolinesca del "facciamo zompare tutti quanti"; ciò non toglie che dj ed amanti dalla danza possano trovare pane per i loro denti. tra djembé, kpanlogo, dundun e campane.
Piero Guarino
- Jazzpodium 2/02:
Ashitey Nsotse und Kassoum Traoré präsentieren eine komplette CD mit reiner Trommelmusik, die von dynamischen, modernen kompositorischen Strukturen getragen wird. Traoré an der Djembe entstammt der Malinke-Tradition Malis und hat einen Platz in der Afro-Mix-Band Argile um den Flötisten Dieter Weberpals. Aus dem Kulturkreis Ghanas stammt Nsotse mit der Kpanlogo-Trommel, in Deutschland in der Gruppe Nokokoyé aktiv, zwischen Highlife und Reggae angesiedelt. Kern der Aufnahme ist die titelgebende, 35-minütige Suite, die in Struktur und Improvisation weit über traditionelle Muster hinausgeht. Für den Hörer ist die Exklusivität dieser Begegnung jedoch nur schwer zu vermitteln. Die Aufnahme ist daher eher für Spezialisten als für Crossover-Hörer ein vollendeter Genuss.
Matthias Weiller
- Djembe-dos 29.1.02:
Kassoum Traoré & Ashitey Nsotse: Bush Taxi from Bamako to Accra - Zurück zu den Ursprüngen unserer westlichen populären Musik
Wie der Titel dieser vor kurzem erschienenen CD andeutet, geht der Hörer hier auf eine musikalische Reise; eine Reise, die uns nach Westafrika führt, genauer nach Ghana und Mali. Schließlich liegt die Wiege unserer heutigen Rock- und Popmusik auf dem schwarzen Kontinent, der ursprüngliche Rhythmus wurde mit der Sklaverei in die Neue Welt gebracht und konnte sich auf dem amerikanischen Kontinent über Swing, Rhythm´n´Blues, Rock´n´Roll bis zur heutigen Rockmusik mit ihren vielen Sparten weiterentwickeln.
Für uns Westeuropäer ist bei unserem typischen schulisch geprägten Hör- und Rhythmusverständnis vermeintlich kein Unterschied zwischen Trommeln und Trommeln. Es liegen allerdings Welten zwischen den einzelnen Musikinstrumenten, -traditionen und dem Verständnis der Kulturen von Ghana und Mali, wir sehen und hören aber auch Gemeinsamkeiten, auf die ich nun des Verständnisses wegen kurz eingehe.
Gemeinsam ist beiden Kulturen die Trommel als Mittel der Verständigung: sei es als Begleitung zu Festen, Feiern und Tänzen, als Mittlerin zwischen den Göttern und den Menschen bei religiös-kultischen Zeremonien, sei es als Untermahlung der Geschichtenerzähler, die von Dorf zu Dorf zur Bewahrung und Überlieferung der traditionellen Geschichten ziehen, sei als Begleitinstrument bei der Arbeit auf den Feldern und als Sprachorgan der Übermittlung von Nachrichten auf Distanzen, quasi von Dorf zu Dorf.
Djembe und Kpanlogo unterscheiden sich sowohl vom Bau als auch von der Klangstruktur.
Die Djembe entstammt der Kultur und der Tradition der Mandingue oder Malinke, einem über ganz Westafrika verbreiteten Volksstamm. Dieses Instrument zeichnet sich durch ein sehr breites Klangspektrum aus, dass von einem sehr tiefen Basston über einen mittleren Ton, den sog. Open, hin zu einem hohen Slap reicht. Die Klangstruktur der Djembe kann dabei als knallig und - im Gegensatz zu anderen Percussioninstrumenten als hart beschrieben werden, ihr Ton ist fulminant und durchdringend, zischt wie ein Peitschenhieb durch das Klanggefüge und zieht automatisch die Aufmerksamkeit des Hörers auf sich.
Die Kpanlogo wird oft als die afrikanische Urform der Conga, die wir aus den lateinamerikanischen Rhythmen und dem Jazz kennen, bezeichnet. Die Kpanlogo wird hauptsächlich im Raum des heutigen Ghana gespielt, die Töne sind weich, sensibel-anmutend, sie erinnern den Zuhörer an den Klang fallender Regentropfen im Urwald, die sanft auf die grünen Blätter im Dschungel aufschlagen.
Auf dieser CD werden erstmals in der Musikgeschichte diese beiden auf den ersten Blick klanglich unvereinbaren Percussioninstrumente harmonisch ineinandergefügt. Dieter Weberpals, der Produzent dieser CD, hatte im Jahre 2001 die Idee, mit den beiden Musikern Ashitey Nsotse aus Ghana (Kpanlogo, Dundun, Kenkeni, Glocken) und Kassoum Traoré aus Mali (Djembe) eine gemeinsame Scheibe einzuspielen. Wie ich anlässlich eines persönlichen Gespräches mit Dieter Weberpals in Nürnberg im Mai 2001 erfuhr, setzte er experimentierfreudig diese Idee mit den beiden erfahrenen Trommlern im Tonstudio in die Tat um. Ich war damals bereits auf das Ergebnis dieser Synthese aus Djembe und Kpanlogo bzw. Mali und Ghana gespannt. Kennen wir doch bisher nur Einspielungen mit jeweils einem Instrument. Und überraschenderweise ist dieses Experiment bestens gelungen!
Der Hang von Dieter Weberpals zur akribisch-genauen Arbeit lässt sich hören. Tontechnisch eine exzellente Umsetzung, die nichts zu wünschen übrig lässt.
Die beiden Meistertrommler aus Westafrika erzeugen einen wunderbaren Klangteppich. Es entsteht ein Dialog zwischen Kpanlogo und Djembe, ein Auf und Ab, ein Hin und Her zwischen den beiden Trommlern. Der Hörer spürt förmlich die Unterhaltung der beiden Meistertrommler auf ihren Instrumenten oder auch der Instrumente untereinander, die Kommunikation erwächst stetig, praktisch crescendoartig (um bei einem Ausdruck der klassisch-westlichen Musik zu bleiben), um in einem gemeinsamen Höhepunkt den Abschluss des jeweiligen Musikstückes zu finden. Und das Schöne an dieser CD: Sie reißt den Hörer förmlich mit! Stillsitzen ist unmöglich! Der Groove kribbelt förmlich in den Beinen . . .
. . . Nicht umsonst lautet der Titel des ersten Stückes Energy. Wer hier die fließende Energie der Trommeln nicht spürt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Djembe und Kpanlogo nähern sich sozusagen in einer Art Smalltalk an, um im zweiten Lied From Bamako to Accra sich in wechselseitige Diskussion zu vertiefen. Einmal übernimmt die Kpanlogo den Basisgroove, während die Djembe ihr Solospiel elegant über diese Basis legt, dann wird das Spiel umgekehrt. Ein recht lebhafter Dialog entsteht. Das Trommelpalaver hören wir dann ausführlich im dritten Part der CD Travelling Together, ein Stück mit munterem und regen Austausch der beiden Kulturen. Mein absolutes Lieblingsstück, das sich aufgrund der Länge auch hervorragend zum Abtanzen eignet! Die folgenden Stücke Conversation und Spirit lassen ebenfalls keinen Zuhörer ruhig sitzen. Der sehr kurze Groove Arrival (time: 0:57) hätte meines Erachtens ruhig mehr ausgebaut und länger eingespielt werden dürfen. Der nächste Song Welcome Highlife wiederum ist gut tanzbar und zeichnet sich durch seine Klangmelodie aus. Absolut hörenswert.
Manchmal ist weniger mehr, und das ist der einzige Wermutstropfen an der besprochenen CD: die zwei Bonustracks. Nana, ein Stück von Famoudou Konate, wird hier von Aicha Kouyate gesanglich umgesetzt. Obwohl ich die Stimme von der Sängerin aus Guinea sehr zu schätzen weiß, passt dieses Lied nicht in die Harmonie der Trommel-CD! Fula, ein traditionalles Musikstück aus Mali, vermittelt ein Bild der Musikkultur der Malinke mit Basstrommelbegleitung, doch wäre mir hier auch ein Track mehr von Ashitey Nsotse und Kassoum Traoré lieber gewesen.
Fazit: eine musikalisch und technisch hervorragende produzierte und eingespielte Arbeit, die in keinem Plattenschrank fehlen sollte. Zeigt sie uns doch, wie interessant, vielfältig, ausdrucksstark und mitreißend die Wurzeln unserer Pop- und Rock-Musik sind. Es lohnt sich, diesem Genre Aufmerksamkeit zu schenken.
Doch Vorsicht! Diese CD kann mehr Lust auf Afrika machen: auf Musik, Land, Leute und Traditionen . . .
Elli Kleidorfer
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